IG DHS

Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz

Detailhandel will Machbarkeit eines Kunststoff-Recycling vertieft prüfen

13. April 2011

Die IG DHS präsentiert Studie zur Zukunft der Separatsammlungen in der Schweiz: Wie können die Altstoffsammlungen in der Schweiz sowohl ökologisch als auch ökonomisch besser ausgestaltet werden? Mit dieser Frage befasst sich eine Studie der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS). Gemäss Studie stellen Gemischtsammlungen heute eine sinnvolle Alternative zu den Separatsammlungen dar. Mögliche neue Potenziale bestehen bei Getränkekartons und Kunststoffen. Während jedoch bei den Getränkekartons die Frage nach der Finanzierung unbeantwortet bleibt, besteht bei den Kunststoffhohlkörpern möglicherweise ein eher ausgewogenes Verhältnis zwischen ökologischem Nutzen, den Kosten und dem Ertrag aus dem rezyklierten Wertstoff. Die IG DHS will nun die betriebliche Machbarkeit einer Gemischtsammlung von PE-Milchflaschen und Kunststoffhohlkörpern abklären.

In der Schweiz wird eine Vielzahl von Separatsammlungen angeboten. Konsumentinnen und Konsumenten trennen die Wertstoffe und bringen sie separat zur Sammlungsinfrastruktur. Im Ausland hingegen werden vielerorts Gemischtsammlungen durchgeführt. Verschiedene Fraktionen werden in einem gemeinsamen Behälter gesammelt und erst in der Recycling-Anlage getrennt. Die technische Machbarkeit von solchen Gemischtsammlungen ist heute gegeben. Für die Ökobilanz ausschlaggebend sind aber die grossen Mengenpotenziale von Gemischtsammlungen mit entsprechenden Skaleneffekten, zum Beispiel beim Transport. Obwohl die Umstellung auf Gemischtsammlungen ökologisch und ökonomisch sinnvoll wäre, lassen sich die Erfahrungen aus dem Ausland nicht eins zu eins auf die Schweiz übertragen. Schwierig einzuschätzen ist insbesondere, wie zufrieden die Schweizerinnen und Schweizer mit einer Gemischtsammlung wären: Würden Sie die Einfachheit der Sammlung bevorzugen? Oder schätzen sie die Separatsammlung, weil sie damit einen Beitrag zur Wertschöpfung des Recyclings leisten können?

Potenziale für neue Sammelfraktionen
Als Ergebnis der Nutzwertanalyse resultiert, dass ein Szenario für die Weiterentwicklung des Schweizer Recyclingsystems in einer gemischten, d.h. gemeinsamen, Sammlung von Hohlkörpern wie PET-Flaschen,  PE-Milchflaschen, Kunststoffhohlkörpern (insbesondere Pflege- und Waschmittelflaschen) sowie Getränkekartons besteht. Eine mechanische Sortierung dieser vier Fraktionen wäre grundsätzlich möglich. Allerdings müssen diverse Einflüsse berücksichtigt werden. Beim PET-Recycling etwa weist das Recycling-Gut heute, dank der reinen Sammlung von Getränkeflaschen, eine extrem hohe Reinheit auf. Auch auf der Basis des strengen Lebensmittelrechts erlaubt das System, aus den rezyklierten Flaschen wieder neue Flaschen zu produzieren. Eine Gemischtsammlung mit anderen (nicht lebensmittelechten) Materialien würde dieses Bottle-to-Bottle-Prinzip gefährden, was nicht wünschenswert
ist.

Bei den Getränkekartons besteht ein grosses Mengenpotenzial für das Recycling. Die Systemkosten einer  Gemischtsammlung unter Einbezug der Getränkekartons betragen mindestens geschätzte 11,6 Millionen Franken pro Jahr (ohne den gesamten Kosten der Infrastruktur und des Handlings vor Ort). Unter Einbezug der vollen Infrastruktur- und Handlingkosten in den Verkaufsstellen wird bei dieser Variante mit einem Betrag von insgesamt 15 bis 20 Millionen Franken gerechnet. Die Frage der Finanzierung dieser Kosten blieb auch nach diversen Gesprächen mit der Getränkekartonindustrie ungelöst.

Anzumerken ist aber auch, dass Getränkekartons schon heute eine gute Ökobilanz aufweisen, die durch ein Recycling nicht wesentlich verbessert wird. Die Verbrennung in der KVA stellt eine wertvolle Energieressource dar. Zudem hat die Getränkekartonindustrie in den letzten Jahren die Produktion schrittweise auf den Standard des Forest Stewardship Council (FSC) umgestellt, welcher das Nachwachsen der Ressource Holz und die umweltgerechte, sozialverträgliche Waldwirtschaft sicherstellt.

Bei den Kunststoffhohlkörpern besteht möglicherweise ein relativ ausgewogenes Verhältnis zwischen ökologischem Nutzen, den zu erwartenden Kosten und dem Ertrag aus dem Verkauf des Wertstoffs. Die Systemkosten für eine gemeinsame Sammlung der zwei Fraktionen PE-Milchflaschen und Kunststoffholkörper werden bei einer Recyclingquote von 75 Prozent auf jährlich 6,6 Millionen geschätzt (ohne die gesamten Infrastruktur- und Handlingkosten in den Verkaufsstellen zu berücksichtigen). Diesen Investitionen steht ein Materialerlös von geschätzten 3,0 Millionen gegenüber. Die Systemkosten pro Jahr betragen also geschätzte 3,6 Millionen
Franken, rechnet man die Leistungen des Detailhandels nicht mit. Die Frage der Finanzierung dieser Kosten bleibt zunächst offen.

Betriebliche Machbarkeit prüfen
Der Ausbau des Recyclingsystems erscheint wünschenswert und dürfte auch bei Konsumentinnen und Konsumenten grundsätzlich Unterstützung finden. Im Sinne des Grundsatzes der Öko- und Wirkungseffizienz sollen vor allem Sammlungen und Massnahmen umgesetzt werden, bei denen durch den Einsatz der entsprechenden Mittel und Ressourcen der grösste Nutzen für die Umwelt generiert werden kann. Auf der Basis der obigen Überlegungen möchte die IG DHS einen Schritt weiter gehen und prüft die Option einer Gemischtsammlung von PE-Milchflaschen zusammen
mit Kunststoffhohlkörpern. Geplant ist, in diesem Jahr eine Machbarkeitsstudie für eine solche Gemischtsammlung in Bezug auf betriebliche Konsequenzen zu erstellen und die Finanzierung des Systems detaillierter abzuklären.

 

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